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Zeit(zu)Flucht

Theater

Zeit & Ort

28. Sept. 2024, 19:00 – 23:00

Wiesbaden, Nerostraße 24, 65183 Wiesbaden, Deutschland

Über die Veranstaltung

28.09 Zeitzuflucht

Theater 

Dürfen wir vorstellen:

Ein Stück von dem wir noch nicht wissen wie es sich entwickelt. Mit dabei ist Marlene-Sophie-Haagen, Sina Schönfeld, Angel Krastev und weitere mehr. Infos folgen. Unser Publikum hat Marlene-Sophie Haagen schon beim Theaterstück "ZUR NACHT"  - einer Landungsbrücken Frankfurt Produktion gesehen. Diesmal zeigen wir eine Kooperation zwischen der Freien Szene Rhein-Main, Walhalla im EXIL und den Landungsbrücken Frankfurt.

Bisherige Infos zu Stück:

ZeitzuFlucht 

Das kollektive Gedächtnis, der Umgang mit der persönlichen und kollektiven Vergangenheit und die Manipulation dieser durch Propaganda, Fakenews und die sozialen Netzwerke stehen schon seit langem auf der Agenda politischer Systeme jeglicher Art. 

Die Kämpfe um bestimmte Narrative entflammen immer wieder. 

Das Heraufbeschwören der Vergangenheit kann:

*  Gründe für Kriege liefern, 

* die Basis für politischen Hochumfragen bei populistischen Parteien sein 

* oder aber uns tatsächlich helfen, unser privates und kollektives Leben besser als früher zu gestalten. 

Wie auch immer! 

Eins müssen wir dabei zugeben: 

gerade die Vergangenheit mit ihrer oft verschwommenen Gestalt und den unscharfen Konturen übt auf uns eine Faszination aus, die wir uns selbst schwer erklären können. Woher kommt diese Obsession für die Vergangenheit? 

Warum liebäugeln so viele Menschen mit ihr sowohl in ihrem Privatleben also auch in einem breiteren sozialen Kontext? 

In welchem Verhältnis stehen Vergangenheit, Jetztzeit und Zukunft zueinander? 

Wie sehr sind wir auf unsere persönliche und gesellschaftliche Vergangenheit angewiesen und welche Konsequenzen hat das für unser Handeln? Sollen wir die Vergangenheit bekämpfen oder voller Liebe umarmen? 

Das sind die Themen, die ich in meiner nächsten Theaterarbeit „Zeitzuflucht“ (AT) behandeln möchte. Dabei habe ich vor, von dem

gleichnamigen Roman von Georgi Gospodinov auszugehen und diesen als eine Projektionsfläche zu nutzen.

Der Roman ist von einer erschreckenden Aktualität geprägt: 

Mit viel Ironie und Melancholie schafft es Gospodinov von einer gesellschaftlichen (Des)Utopie zu erzählen, deren Merkmal eine Vermischung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist. Es geht hier ganz klar um eine unmögliche und fiktive Situation. Einen Nicht-Ort eben. Oder auch nicht? In „Zeitzuflucht“ geht es um eine „Klinik für Vergangenheit“. Das ist eine Einrichtung, die Alzheimer-Kranken eine inspirierende Behandlung anbietet: 

Jedes Stockwerk ist einem bestimmten Jahrzehnt nachempfunden. Patienten können dort Trost und Glück finden in ihren verblassenden Erinnerungen. Auch Gesunde interessieren sich auf einmal dafür, in die Klinik aufgenommen zu werden, in der Hoffnung, dem Schrecken der Gegenwart zu entkommen. Das sind Leute, die sich in der Jetztzeit nicht zu Hause fühlen und eine Flucht in die

vergangenen Jahrzehnte suchen. Die innovative Methode mit ihrer glückbringenden Umsetzung verlässt eines Tages das Gelände der Klinik, das nicht mehr ausreicht. Die Sehnsucht nach der Vergangenheit macht sich langsam auf, die Welt zu erobern: erst einzelne Menschen, dann Städte, später ganze Länder. Irgendwann will sich der ganze Kontinent gemeinsam für ein vergangenes Jahrzehnt entscheiden, in dem die Bevölkerung in der Zukunft leben möchte. Wenn das Europa der Zukunft bereits unmöglich ist, lasst uns das Europa der Vergangenheit wählen. Aufruf zur Rückkehr!

Europa wählt seine Vergangenheit! 

Europa, die neue Utopie! Eurotopie! Europäische Union der gemeinsamen Vergangenheit! 

Ja der Kontinent ist mit einer Vergangenheit vermint, die ihn teilt, aber man kann sicherlich die glücklichsten Momente seines Lebens mit den Erinnerungen an europäische Bündnisse und das Leben in Nachbarschaft verbinden! Die Vergangenheit wird zu der neuen Jetztzeit, deren Zukunft ziemlich gewiss ist. In jedem Land beginnen massenhafte Verdoppelungen von Gewesenem und Nichtgewesenem. Immer detaillierter, immer näher an den realen Ereignissen, manchmal sogar realer als sie. Ein Leben wie ein Reenactment. Das Motiv des Glücksuchens in der Vergangenheit, das Gospodinov aus der Alzheimer-Krankheit herleitet und als psychologischen Zustand auf unsere heutige Gesellschaft überträgt, bildet den Ausgangspunkt der weiteren Überlegungen zur

Arbeit „ZeitzuFlucht“ (AT). Dabei ergibt sich für mich die Frage: Welche Gefahren birgt die direkte Übertragung von dem Alzheimer-Behandlungskonzept der Klinik für Vergangenheit auf eine ganze Gesellschaft?

Ein Alzheimerkranker greift einzelne Momente heraus und springt orientierungslos zwischen Zeiten umher. Er setzt Momente nicht in eine zeitliche Reihenfolge. Er sucht sich bestimmte zeitliche Momente nicht bewusst aus. Ganz im Gegensatz zu den Gesunden. Wir wissen welches Jahr wir haben.

Unser kollektives Gedächtnis hat ein historisches Bewusstsein! 

Um die Vergangenheit einer Gesellschaft zurückzuholen brauchen wir das Reenactment als eine kulturelle und performative Zeitmaschine, um historische Ereignisse in Zeit und Raum der Gegenwart zu wiederholen und zu reanimieren. Das Moment des Reenactments schließt das Bewusstsein/ die Perspektive des Heute ein, mit dem gegenwärtigen Wissen zur Geschichte. 

Ein Reenactment ist deshalb interessant, weil das Wissen zum weiteren historischen Geschehen, gesehen vom Zeitpunkt des wiederholten historischen Ereignisses, Sicherheit gibt. Die Zukunft ist bekannt. Es geht kein Wunsch einher sie zu verändern. Es geht lediglich darum, den Moment der Vergangenheit unreflektiert erneut zu erleben. Das Reenactment verschiebt das Verhältnis zwischen Vergangenheit, Jetztzeit und Zukunft zueinander. Sie bilden keine linear-sukzessive Gerade und verlaufen nicht mehr in einer Reihenfolge. Viel mehr geschehen sie alle gleichzeitig. 

Es hört sich alles erst einmal ziemlich harmlos an: wir alle tun nur so als ob, spielen Theater, sind irgendwie glücklich. Das Problem dabei: Niemand wird später erklären können, wie die angeblichen Platzpatronen sich auf einmal als scharf herausstellen. Einmal in hundert

Jahren schießt auch das nicht geladene Gewehr, wie man so schön sagt, aber wer weiß. Könnte irgendwann Europa also vor einem zweiten Zweiten Weltkrieg stehen? 

Dieses Spiel mit der Vergangenheit, die Mischung aus Realität und Fiktion, die eine enorme, gefährliche Sprengkraft mit sich bringt, möchte ich ins Zentrum meiner Arbeit/szenischen Umsetzung rücken. Dabei soll vor allem das Motiv der Wiederholung, der Doppelung auf vielen verschiedenen Ebenen ausgearbeitet werden.

Die Inszenierung basiert auf der Verstrickung von zwei Erzählsträngen: Einmal ist das die eigene subjektive Vergangenheit, die Erinnerungen an sie und der Umgang mit ihr. Auf der anderen Seite soll es um eine kollektive historische Vergangenheit gehen. Beide sollen reenactet werden.

Mit dabei:

Marlene-Sophie Haagen (Schauspielerin) wurde 1991 in Mainz geboren. Von 2012 bis 2016 studierte sie Schauspiel an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Sie erhielt das Deutschlandstipendium und verbrachte ein Auslandssemester an der University of Arts London. Während ihres Studiums gastierte sie am Deutschen Theater Göttingen und dem Stadttheater Paderborn. Weitere Engagements führten sie ans E.T.A.- Hoffmann-Theater Bamberg, ans Stadttheater Gießen, auf Kampnagel Hamburg und zu den Burgfestspielen Bad Vilbel, wo sie den Monolog „Das Tagebuch der Anne Frank“ spielte.

2018 übernahm sie ihre erste größere Fernsehrolle als Königin Katharina in der SWR-Produktion „Das Jahr ohne Sommer“. Sie ist häufiger am Theater Landungsbrücken in unterschiedlichen Formaten und Stücken zu sehen und arbeitet seit 2022 regelmäßig am Staatstheater Wiesbaden.

Angel Krastev, 1985 in Haskovo, Bulgarien geboren hat von 2007-2014 ein Studium der Theaterwissenschaften bei Hans-Thies Lehmann an der Goethe-Universität absolviert. Am Gallus Theater wirkte er bereits als Student 2012 als Schauspieler mit. Er war als Regieassistent am Stadttheater Gießen (2014-17) und u.a. am Schauspiel Frankfurt bei Andreas Kriegenburg, Viktor Bodó, Ulrich Rasche und Luk Perceval. Seit 2019 ist er als freier Theaterregisseur mit Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Frankfurt am Main tätig. Bisher zeigt er seine Arbeiten am Schauspiel Frankfurt, den Landungsbrücken Frankfurt, dem Gallus Theater Frankfurt und beim Sommerwerft Festival Frankfurt am Main.

https://www.angelkrastev.de

und Weitere. Infos Folgen.

19:00 Uhr öffnet die Bar

20:15 Uhr SneakTheater 

10€ reduziert / 15€ regulär / 20€ Unterstützer*innenpreis

Nur begrenzt Karten. Einmalige Vorstellung. 

Reservierungen an: Musik@walhalla-im-exil.de

Bezahlung an der Abendkasse

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